INTERNAZIONALE FERRARA: Ein Wochenende mit den Journalisten aus der ganzen Welt

Am ersten Wochenende im Oktober verwandelt sich die mittelalterliche Altstadt von Ferrara in die größte Redaktion der Welt. In dieser Wirtschafts- und Kulturstadt der Region Emilia Romagna findet nämlich jedes Jahr das Festival des internationalen Journalismus statt. Die Burg, die Paläste, die Theater, die Platz, das Kloster sowie die Universität und die zwei Kinos werden drei Tage lang als Presseräume von internationalen Journalisten und Aktivisten verwendet.

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Das Logo des Festival fürs Jahr 2016 – Credit to www.unife.it

Das Festival wird durch die italienische Wochenzeitschrift Internazionale gefördert, welche 1990 gegründet wurde. Internazionale basiert sich auf dem gleichen Prinzip der drei Jahre älteren französischen Zeitschrift Courrier international, das heißt sie ist eine Presseschau von über 60 weltweit publizierten Zeitschriften, Zeitungen und Magazinen. Die Artikel werden von der Redaktion in Rom ausgewählt und ins Italienische übersetzt. Rubriken sind Europa, Afrika, Asien, Nordamerika, Südamerika, Australien und der Pazifik, ferner Technologie, Umwelt, Netzkultur und Wirtschaft.

Erst im Jahre 2007 kam die Idee, ein 3-Tage-Festival zu organisieren, in dem die Bürger dank einem internationalen Gremium Journalisten eine bestimmte Thematik auf all ihre Facetten erstrecken konnten. Seitdem hat sich die Anzahl sowohl der Teilnehmer als auch der Gäste vervierfacht: Beim letzten Festival, welches vom 30. September bis zum 2. Oktober 2016 stattfand, haben 240 Journalisten und Aktivisten aus 31 Ländern insgesamt 120 Konferenzen für rund 71.000 Personen gehalten.

Das Leitmotiv des 10. Festivals der Internazionale war der Mut. Das Thema wurde in drei verschiedenen Richtungen entfaltet: Der Mut, eine korrekte und objektive Information zu gewährleisten, eine solidarische und humane Wirtschaft zu schaffen und sich für den Schutz der Menschenrechte einzusetzen. Um nur einige der 240 Gäste zu nennen: die mexikanische Journalistin Anabel Hernández, welche für ihre Reportagen über die Verbindungen zwischen den mexikanischen Drogenkartellen, der Politik und den Sicherheitsorganen in ihrer Heimat verfolgt wird; die Eltern vom italienischen Doktorand Giulio Regeni, der Anfang dieses Jahres wegen seiner Recherchen bezüglich der ägyptischen Gewerkschaften in Kairo gefoltert und später ermordet wurde; Bertita Cáceres, die Tochter der honduranischen Menschenrechts- und Umweltaktivistin Berta Cáceres, welche im März 2016 aufgrund ihrer Kampagnen gegen illegale Bauprojekte von mehreren Bewaffneten in ihrem Haus erschossen wurde; und der amerikanische Journalist Anand Gopal, der für seine Reportagen über den Krieg in Afghanistan bekannt ist.

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Von rechts nach link: Flaviano Bianchini, Umweltaktivist von Source International – Luca Martinelli, Journalist von Altreconomia – Bertita Cáceres, Tochter von Berta Cáceres und selbst Menschenrechts- und Umweltaktivistin von COPINH– die Dolmetscherin

Das Festival wird durch die Stadt und die Universität Ferrara zusammen mit vielen anderen Sponsoren, u.a.  Medecins sans frontieres und die Europäischen Kommissionsvertretung Italiens, gesponsert. Dadurch sind alle Konferenzen kostenfrei und grundsätzlich jedermann zugänglich. Da aber die Beteiligung jährlich größer wird, musste die Anzahl der Teilnehmer bei einigen Konferenzen begrenzt werden. Dafür werden kostenlose Tickets in der Piazza Cattedrale von den Volontären verteilt. Die Vorführungen von Dokumentarfilmen – allen italienischen Premieren – kosten 3 Euro. Alle Vorträge sind in der Originalsprache des Gastes gehalten, und simultan oder konsekutiv ins Italienische gedolmetscht.

Ein Besuch des Festivals lohnt sich auf jeden Fall, und kombiniert sich mit einem Rundgang der wunderschönen Altstadt von Ferrara perfekt.

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Die Estense Burg in der Altstadt Ferrara – Credit to www.trevisanarte.com

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