DEUTSCHENFREUNDIN Nr. 1 BLEIBT VOR VW AFFÄRE SPRACHLOS. ABER NICHT FÜR LANGE.

Bettatentruppen_Gigi

„Germanophile haben es schwer. Die Welt ist noch nicht bereit, die bösen Deutschen zu mögen. 🙂 In 500 Jahren ist es vielleicht besser.“ hat mir letzthin meine weise deutsche Mieterin geschrieben, nachdem ich dieses Foto – ein schönes Geschenk von meinen Kollegen – auf Facebook gepostet habe. Und Recht hat sie.

Als der Volkswagen-Skandal Mitte September bekannt wurde, habe ich mich mit vielen spöttischen Behauptungen auseinander setzen müssen:

„So so, deine lieben Deutschen! Immer mustern sie uns von oben bis unten, sie sollten lieber vor ihrer eigenen Haustür kehren!“

„Na siehst du, die sind nicht besser als wir, die Deutschen!“

„Du bist ein Fan von denen, nicht wahr? Und dann so was! Was sagst du jetzt dazu?“

Alle warteten auf meine Reaktion, um wie üblich noch heftiger zurückschlagen zu können. Dieses Mal haben sie mich aber überrumpelt: Die Deutschenfreundin Nummer 1 konnte nicht gegenargumentieren. Über das Thema war und bleibe ich ratlos.

Ich kann wirklich nicht verstehen, warum der größte Automobilhersteller Europas, das alljährlich Kopf an Kopf mit der Toyota-Gruppe um den Spitzenrang unter den weltweit erfolgreichsten Autobauern rennt, die Abgasmessungen seiner Dieselmotoren manipulieren sollte.

Und sicherlich weiß ich nicht, warum ein Unternehmen, das 2014 einen Gewinn von rund 12,7 Milliarden Euro erwirtschaftete, sein Image und damit auch den Ruf der gesamten deutschen Autoindustrie aufs Spiel setzen sollte.

Aus de.statista.com

Einerseits kann ich die Genugtuung der spöttischen Behauptungen meiner Bekannten verstehen. In der kollektiven Vorstellung sind die Deutschen nicht genau das sympathischste Wolk, dem man in der Welt begegnen kann. Und ehrlich gesagt geben sie sich auch nicht Mühe, das Gegenteil öffentlich zu beweisen.

Erinnert ihr euch an den peinlichen „Gaucho Song“ der amtierenden Weltmeister bei der 2014-Siegesfeier in Berlin?

https://www.youtube.com/watch?v=_xsNSCwHMos

Claudia Schiffer_Opel WerbungWie die deutschen Hersteller gerne mit ihrer Herkunft hausieren gehen ist auch im Ausland ziemlich unbeliebt. „E‘ una tedesca*“ wiederholte die Model Claudia Schiffer in jedem verdammten Opel-Spot, nachdem die allerhöchste Qualität und Technologie der deutschen Autos zur Schau gestellt wurde (*Anm. d. Red.: Sie ist eine Deutsche. Das Pronomen „sie“ bezieht sich auf „das Auto“, welches auf Italienisch ein feminines Substantiv ist). Selbst die Autobauer aus Wolfsburg senden seit immer in TV-Spots den deutschsprachigen Slogan: “VW – Das Auto”.

New Statesman_06_2012

Sogar in der Politik werden die Deutschen ihren miesen Ruf nicht los. Auf eigene Kosten haben nämlich die südlichen Länder der EU sehr wohl wahrgenommen, wie belehrend die deutsche Regierung in der Euro-Krise aufgetreten ist. Und dass sich Deutschland ausgerechnet in Sachen Klimaschutz so böse patzt, sorgt überall in der Welt für besonderen Ärger.

Trotz meiner Liebe für Deutschland finde ich selbst den ganzen VW-Skandal ziemlich nervig.

Erstens weil ich als Italienerin einmal zu oft als Bürgerin eines Landes der dritten Welt von einigen Deutschen betrachtet wurde.

Zweitens weil ich mich als Qualitäts- und Umweltbeauftragte einer Tochtergesellschaft der Daimler-Gruppe von Montag bis Freitag durch die viel zu viel anspruchsvollen Umweltschutzvorgaben der Muttergesellschaft durchboxen muss.Der ganze Aufwand sieht jetzt sogar lächerlich aus.

Eines finde ich von der ganzen VW-Affäre dennoch anerkennenswert, und das ist die Videobotschaft, in welcher der ehemalige Vorstandvorsitzender Martin Winterkorn um Entschuldigung bittet.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/volkswagen-martin-winterkorn-will-bleiben-und-entschuldigt-sich-a-1054234.html

Die Botschaft ist folgendermaßen strukturiert:

1) Eingeständnis des Fehlers und dessen Schwere

Beispiel: Die Unregelmäßigkeiten bei Dieselmotoren UNSERES Konzerns widersprechen allem, für was Volkswagen steht.

2) Mitteilung des Vorgehens von jetzt an

Beispiel: WIR sind dabei, die Hintergründe schonungslos aufzuklären.

3) Eingeständnis von Schuld

Beispiel: Es tut MIR unendlich leid, dass WIR dieses Vertrauen enttäuscht haben.

4) Bitte um Entschuldigung

Beispiel: ICH entschuldige MICH in aller Form bei UNSEREN Kunden, den Behörden und der gesamten Öffentlichkeit für das Fehlverhalten.

5) Solidarität für das Team

Beispiel: Es wäre falsch wegen des schlimmen Fehlers einiger Weniger die harte und ehrliche Arbeit von 600.000 Menschen unter Generalverdacht zu stellen.

6) Bitte um Vertrauen

Beispiel: WIR werden alles tun, um Ihr Vertrauen Schritt für Schritt zurückzugewinnen.

7) Versprechung der Wiedergutmachung

Beispiel: ICH gebe Ihnen MEIN Wort: Bei all dem werden WIR mit der größten möglichen Offenheit und Transparenz vorgehen.

Ach wie schön wäre es, wenn auch die Italiener sich ab und zu für deren Skandalen und Blamagen derart entschuldigen könnten!

Im vergangenen Jahr wurde zum Beispiel die sogenannte Expo-Betrugskuppel in Mailand aufgedeckt. In Reaktion darauf musste unser Ministerpräsident Matteo Renzi sogar ein neues Antikorruptions-Paket verabschieden.

Hat die mafiose Betrugskuppel unsere öffentliche Gelder geschmiert und gestohlen? Aber gewiss!

Hat sich der verhaftete Hauptmanager der Expo S.p.A. Angelo Paris dafür entschuldigt? Natürlich nicht!

Na also! Jetzt weiß ich zumindest, wie ich die Spötteleien über Volkswagen und die Deutschen erwidern kann! Deutschenfreundin numero 1 ist zurück!

DPA/Julian Stratenschulte

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One thought on “DEUTSCHENFREUNDIN Nr. 1 BLEIBT VOR VW AFFÄRE SPRACHLOS. ABER NICHT FÜR LANGE.

  1. Suri Kent says:

    Do not worry. Soon it will become evident that all automotive manufacturers cheated. It is no excuse to say “well, everybody does it” but at least it makes it easier to defend the ugly, evil German :-).

    Liked by 1 person

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