NORDITALIEN IM SCHNEE GELÄHMT. 40 ZENTIMETER IN EINER NACHT.

Eine der vielen Titelseiten über den Schneesturm

07.02.2015

Ich weiß, was ihr gerade denkt: „Schnee in Italien? Das muss wohl in Südtirol sein!“ Ist es aber nicht. Außer der kalten Südtirol, der vielfältigen Toskana und der sonnigen Apulien gehören nämlich Italien andere 18 wunderschöne Regionen, in denen es wie in jedem anderen Teil Europas regnen und schneien kann. Emilia Romagna, meine Heimat, ist eine davon.

Die Wettervorhersagen hatten uns frühzeitig davor gewarnt. Mit dem bedrohlichen Namen „Big Storm“ wurde der Schneesturm genannt (Ach, wir Italiener… Wir schaffen nicht, ein Wort auf Englisch korrekt auszusprechen, mögen aber tierisch gern, englische Worte in unserem Alltag zu verwenden: Jobs act, Spending Review, Welfare, usw.), der im Laufe der Woche unerbittlich auf uns zugekommen wäre. Und pünktlich am Donnerstagnacht, 5. Februar, ist Big Storm angekommen: Die ganze Nacht hat es geschneit.

Willkommen war der Schneesturm von einem guten Winterdienst aber nicht. Trotz der Warnungen waren nämlich die Straßen am Freitag, 6. Februar, mit so einer dicken Schneeschicht bedeckt, dass Autos nicht fahren konnten. Eine Freude für viele Kinder und Studenten, deren Schule oder Uni geschlossen wurden, viel Ärger für diejenige Autofahrer, die zur Arbeit mussten und auf die, sogar im Autobahn, kilometerlange Schlangen warteten. Auch Pendler hatten kein Glück: viele Züge wurden gestrichen, im besten Fall dauerte die Verspätung 60 Minuten.

Wenn dieser heftiger Schneefall vorgesehen wurde, warum waren wir dafür nicht bereit?

„Heute ist eine Prognose für die kommende Woche ungefähr so zuverlässig, wie sie es vor dreißig Jahren für den nächsten Tag war. Die 24-Stunden-Vorhersage erreicht eine Eintreffgenauigkeit von gut 90 %. Die Treffsicherheit für die kommenden 3 Tage beträgt etwas mehr als 75 %“, liest man auf Wikipedia unter dem Artikel „Wettervorhersage“.

Merkwürdig ist es also, dass seit Wochen die italienischen Wettervorhersagen Schnee versprachen und dennoch nur graue regnerische, manchmal sogar sonnige, Tage kamen. Weniger merkwürdig ist das aber in Verbindung mit der Tatsache, dass dieses Jahr die Skisaison keinen guten Start gehabt hat . . .

Aha! Wettervorhersagen, ihr schlaue Füchse! Zweifellos waren also die Vorhersagen der vergangen Wochen nur ein Versuch viele Skifahrer zu locken, sich auf dem Weg Richtung Berge zu machen. Und das soll wohl funktioniert haben, da seit Januar durchschnittlich 80% der buchbaren Unterkünfte auf Booking.com ständig gebucht sind. Eine böse Überraschung erwartete aber dann die hoffnungsvolle Skifahrer auf den Bergen: Sonne, hohe Temperaturen und meistens Kunstschnee.

Ich weigere mich also zu glauben, dass allein die typische Desorganisation Italiens der Grund dieses Unvorbereitetseins gegen den Schneesturm ist. Eine wichtige Rolle spielt hier auch die Tatsache, dass die Italiener ständig mit dem Hirtenjungen der Fabel Äsops zu tun haben. Aus Langeweile, oder in unserem Fall aus Interesse, brüllte er den falschen Alarm “Wolf!”, um sich über die zu Hilfe geeilten Dorfbewohner lustig zu machen. Als dieses Mal der Hirtenjunge “Big Storm!” schrie, hat keine die Hilferufe ernst genommen.

Möge der Wolf nächstes Mal nicht nur die Herde, sondern auch den Jungen selbst fressen. Und sein Auto im Schnee endgültig begraben.

TATI

Schnee in Reggio Emilia

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